Ambidextre Führung: Leadership in Zeiten von Transformation

von Michael Sarsteiner in , , — Oktober 2026
Unternehmen in Energy und Technology investieren heute gezielt in Dekarbonisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz - ein entscheidender Schritt, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Wandel aktiv mitzugestalten. Dabei zeigt sich jedoch, dass nachhaltiger Unternehmenserfolg nicht nur von der Technologie selbst abhängt, sondern vor allem von den Menschen, die diese Transformation vorantreiben. Im Spannungsfeld zwischen der Optimierung bestehender Strukturen und der Erschließung von Zukunftschancen wird ambidextre Führung zu einer wichtigen Leadership-Kompetenz in unserer Zeit.
2026 10 01 Blog Talentor Austria Ambidexter Leadership

1. Was ist ambidextre Führung?

Ambidextrie bedeutet allgemein Beidhändigkeit. Die Definition ambidextrer Führung ist die Fähigkeit, Exploitation und Exploration miteinander zu verbinden. Exploitation bedeutet dabei die effiziente Nutzung und Weiterentwicklung des bestehenden Geschäfts, während mit Exploration die Suche nach neuen Lösungen, Technologien und Geschäftsmodellen gemeint ist. Ambidextre Führungskräfte können einerseits klare Strukturen schaffen, Prioritäten setzen und klare Ergebnisse sichern. Gleichzeitig schaffen sie Freiräume für Innovation, fördern Experimente und ermöglichen Lernen und Wachstum.


Exploitation und Exploration im Vergleich:

Exploitation

Exploration

Fokus: Bestehendes Geschäft

  • Klare Ziele und Verantwortlichkeiten
  • Standardisierte Prozesse
  • Qualitäts- und Sicherheitsmanagement
  • Produktivitätssteigerung
  • Kostenkontrolle
  • Verlässliche Umsetzung
  • Messbare Ergebnisse

Fokus: Neue Möglichkeiten

  • Technologische Innovation
  • Neue Geschäftsmodelle
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Tests und Pilotprojekte
  • Kontinuierliches Lernen
  • Kreative Problemlösung
  • Konstruktiver Umgang mit Unsicherheit


Dabei geht es nicht darum, einen Mittelweg zu finden, sondern situationsabhängig zu erkennen, welches Führungsverhalten gerade notwendig ist.

Das verlangt von Führungskräften ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, Reflexionsfähigkeit, Ambiguitätskompetenz, Entscheidungsstärke und Anpassungsfähigkeit.

Zudem stehen sie vor der Aufgabe, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die von psychologischer Sicherheit geprägt ist, denn nur so kann Exploration gelingen.

Mitarbeitende brauchen Raum, um Ideen zu äußern, Annahmen zu hinterfragen und Bedenken offen anzusprechen.

Gleichzeitig brauchen sie aber auch klare Verantwortlichkeiten und Entscheidungsregeln, die in technologisch komplexen und stark regulierten Umfeldern unumgänglich sind.

2. Warum ambidextre Führung gerade jetzt relevant ist?

Unternehmen in Energy und Technology bewegen sich in einem sehr anspruchsvollen Transformationsumfeld, geprägt von erneuerbaren Energien, innovativen Speichertechnologien, Automatisierung und künstlicher Intelligenz. Während das operative Geschäft Stabilität, Wirtschaftlichkeit und kurzfristig messbare Ergebnisse verlangt, schreitet der technologische Fortschritt rasant voran und erfordert schnelle Entscheidungen, Experimentierfreude und kontinuierliches Lernen. Gleichzeitig lassen sich neue Geschäftsmodelle und Innovationen nicht immer anhand klassischer Kennzahlen oder etablierter Erfolgskriterien bewerten.

Führungskräfte stehen dadurch vor der Herausforderung, unterschiedliche Zeithorizonte, Erwartungen und Erfolgslogiken miteinander zu verbinden. Sie müssen das bestehende Geschäft kompetent steuern und zugleich die Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum schaffen.

In diesem Spannungsfeld lautet die zentrale Führungsfrage:

Wie schaffen wir Stabilität und Veränderung gleichzeitig?

3. Closing und Opening Leadership als Grundlage ambidextrer Führung

Die Basis ambidextrer Führung findet sich im Wechsel zwischen Closing und Opening Leadership.

Closing Leadership: 

Opening Leadership:  

Orientierung und Verbindlichkeit: Führungskräfte sorgen für Fokus und Umsetzung.

Führungskräfte:

  • definieren Prioritäten
  • treffen Entscheidungen
  • klären Verantwortlichkeiten
  • setzen Qualitätsmaßstäbe
  • verfolgen Fortschritte
  • steuern Risiken

Räume für Neues :  Teams sollen Bestehendes hinterfragen und neue Ideen einbringen. 

Führungskräfte:

  • stellen offene Fragen
  • ermöglichen Experimente
  • fördern interdisziplinären Austausch
  • geben Entscheidungsspielräume
  • leben eine positive Fehlerkultur
  • regen Perspektivwechsel an

In der beidhändigen Führung wechseln Führungskräfte kontextbezogen zwischen beiden Verhaltensweisen.

4. Welche Kompetenzen benötigen ambidextre Führungskräfte?

Dieses Spannungsfeld an unterschiedlichen Anforderungen verlangt von Führungskräften, die Transformation erfolgreich navigieren, eine Reihe an Kompetenzen:

1. Strategische Urteilskraft: Führungskräfte erkennen, welche Bereiche optimiert und verändert werden sollen bzw. was ganz neu entwickelt werden muss. Sie unterscheiden zwischen kurzfristiger operativer Dringlichkeit und langfristiger strategischer Bedeutung.

2. Umgang mit Widersprüchen: Transformation erzeugt Zielkonflikte. Wirksame Führungskräfte halten diese Widersprüche aus, ohne in ein vorschnelles Entweder-oder-Denken zu verfallen.

3. Kontextbezogene Anpassungsfähigkeit: Nicht jede Situation verlangt denselben Führungsstil. Erfolgreiche Führungskräfte erkennen, was ein Team gerade benötigt und führen adaptiv.

4. Emotionale und kommunikative Kompetenz: Transformation verändert Verantwortlichkeiten und Routinen. Führungskräfte müssen Unsicherheit offen adressieren, unterschiedliche Interessen integrieren und auch in schwierigen Phasen glaubwürdig kommunizieren.

5. Umsetzungsstärke: Innovation wird erst dann unternehmerisch relevant, wenn sie in Anwendung, Skalierung und Wertschöpfung überführt werden kann. Ambidextre Führungskräfte verbinden deshalb Offenheit mit Konsequenz.

5. Executive Search von ambidextren Führungskräften

Angesichts des Wandels verändern sich auch die Anforderungen an die Besetzung von Schlüsselpositionen und Führungskräften. Im Executive Search und Headhunting wird deutlich, dass es nicht mehr genügt im Lebenslauf zu prüfen, ob eine Person eine vergleichbare Rolle bereits ausgeübt hat - zumal viele Profile gerade erst entstehen oder neu definiert werden. Im strategischen Recruiting ist vielmehr von Bedeutung, ob eine Person das richtige Mindset und das Potenzial hat, das Unternehmen in der nächsten Entwicklungsphase aktiv zu gestalten.

So muss ein transformationsorientierter Executive-Search-Prozess den Unternehmenskontext verstehen. Dies beinhaltet Fragestellungen wie:

  • Welche strategischen Veränderungen stehen an?
  • Welches Verhältnis von Exploration und Exploitation erfordert die Position?
  • Welche Kompetenzen sind eine wichtige Ergänzung für das bestehende Team?
  • Welchen Gestaltungsspielraum hat die Position und wie wird die Wirksamkeit gemessen?
  • Welche kulturellen Gegebenheiten fördern oder erschweren Transformation?

Daraus ergibt sich ein Stellenprofil, das neben Erfahrung und Wissen auch Verhaltenspräferenzen, Potenzial, Mindset und Werthaltungen beinhaltet. Aus diesen Informationen kann daraufhin ein Perfect Match für die Zukunft identifiziert werden.

Denn Transformation erfordert Persönlichkeiten, die nicht nur zum heutigen Unternehmen passen, sondern die auch dessen künftige Entwicklungen erfolgreich mitgestalten können.

6. Fazit: Zukunftsfähigkeit entsteht durch beidhändiges Leadership

Transformation benötigt mehr als neue Technologien und Investitionen. Sie braucht vor allem Menschen, die einerseits das bestehende Geschäft steuern können und gleichzeitig bereit sind, Neues zu ermöglichen. Ambidextre Führung ist in diesem Kontext ein sehr wirkungsvoller Rahmen, der Effizienz, Stabilität und konsequente Umsetzung mit Innovation, Veränderung und kontinuierlichem Lernen verknüpft. Gerade in den Branchen Energy und Technology wird diese Fähigkeit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor.

Unternehmen benötigen Führungspersönlichkeiten, die mit Unsicherheit umgehen können und sowohl operative Exzellenz als auch Zukunftsorientierung fördern. Das bedeutet für Executive Search, dass die Bewertung der Kandidat*innen anhand bisheriger Erfolge nicht mehr ausreicht und stattdessen Lernfähigkeit, Anpassungsstärke und das Potenzial, Transformation zu gestalten in den Fokus rücken.

Jetzt die Leaders for tomorrow finden!
Transformation braucht die richtigen Führungspersönlichkeiten.
Tal AT Talente

7. FAQ

Talentor Austria Team Michael Sarsteiner

Michael Sarsteiner

Executive Director