3+1 Fragen an Ingrid Janker, CEO bei Knauf Österreich
Im Interview mit Gisela Viertauer gibt Ingrid Janker, CEO bei Knauf Gesellschaft m.b.H. Österreich, spannende Einblicke in ihr Führungsverständnis und spricht darüber, was Unternehmen heute erfolgreich macht.
Ingrid Janker, Managing Director bei Knauf Gesellschaft m.b.H. Österreich
1. Welche strategischen Herausforderungen prägen aktuell Ihr Unternehmen – und welche Entwicklungen in Ihrer Branche beschäftigen Sie dabei am meisten?
Die Bauwirtschaft steht aktuell vor tiefgreifenden Herausforderungen. Das Hochbauvolumen befindet sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau, obwohl der Bedarf – insbesondere an leistbarem Wohnraum – unverändert hoch ist. Gleichzeitig wächst der Sanierungsbedarf im Gebäudebestand, nicht zuletzt mit Blick auf die Klimaziele in Österreich. Hinzu kommt, dass qualifizierte Fachkräfte am Bau zunehmend schwerer zu finden sind. Umso wichtiger ist es, Produktivität gezielt weiterzuentwickeln. Als Baustoffhersteller sehen wir unsere Verantwortung darin, Lösungen anzubieten, die Komplexität reduzieren, Prozesse vereinfachen und den Arbeitsalltag auf der Baustelle spürbar erleichtern.
2. Welche Kompetenzen und welches Führungsverständnis sind aus Ihrer Sicht heute entscheidend, um in Ihrem Unternehmen erfolgreich zu sein – insbesondere auf Schlüsselpositionen?
Erfolgreiche Führung beginnt für mich bei einem klaren Werteverständnis. Knauf steht für Menschlichkeit, Partnerschaft, Engagement und Unternehmergeist – und gerade auf Schlüsselpositionen ist es entscheidend, dass diese Werte auch mit dem persönlichen Führungsverständnis übereinstimmen. Gleichzeitig erleben wir eine Zeit des Wandels:
Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, die angespannte Lage in der Bauwirtschaft und der Mangel an Fachkräften verändern die Anforderungen an Unternehmen und Führungskräfte gleichermaßen.
Umso wichtiger sind Veränderungsbereitschaft, Tatkraft und die Fähigkeit, Orientierung zu geben. Der entscheidende Erfolgsfaktor bleibt für mich jedoch die Zusammenarbeit auf Augenhöhe – geprägt von Offenheit, Vertrauen und echtem Dialog.
3. Welche Erfahrungen oder Menschen haben Ihren Führungsstil am stärksten beeinflusst?
Besonders geprägt haben mich meine beruflichen Jahre in Osteuropa. Zwischen 2002 und 2015 war ich in Rumänien und Bulgarien in verschiedenen Führungsfunktionen tätig – häufig als Jüngste im Team und als einzige Ausländerin.
Diese Zeit hat mich gelehrt, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen, flexibel zu handeln und Menschen in sehr verschiedenen Kontexten zu motivieren. Vor allem aber habe ich gelernt, wie entscheidend Vertrauen für erfolgreiche Führung ist: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Vertrauen in die Mitarbeitenden und Vertrauen in das Unternehmen. Dieses Grundverständnis prägt meinen Führungsstil bis heute. Denn wo Vertrauen vorhanden ist, entsteht Sicherheit – und damit auch Raum für Entwicklung, Eigenverantwortung und offene, sachliche Gespräche. Genau das ist für mich die Basis, um ein Unternehmen gemeinsam als Team weiterzuentwickeln.
4. Haben Sie ein Vorbild?
Mein Großvater war – rückblickend betrachtet - unbewusst ein prägendes Vorbild für mich. Er verkörperte den Leitsatz „in der Ruhe liegt die Kraft“.
Als Bürgermeister einer sehr kleinen ländlichen Gemeinde, stand er in den 1970er-Jahren vor der Aufgabe, grundlegende Infrastruktur aufzubauen. Dabei gelang es ihm, unterschiedliche Interessen zu vereinen und die Menschen für gemeinsame Lösungen zu gewinnen.
Was ihn dabei besonders ausgezeichnet hat, war seine ruhige und besonnene Art sowie sein klarer und verbindender Kommunikationsstil: stets sachlich, respektvoll und auf das Verbindende ausgerichtet. Er hat nie polarisiert, sondern bewusst den Dialog gesucht, Brücken gebaut und tragfähige Kompromisse ermöglicht - immer mit dem größeren Ziel vor Augen – dem Wohl der gesamten Gemeinschaft.
Gleichzeitig war er äußerst beharrlich. Wenn er von einer Sache überzeugt war und sie als richtig für die Allgemeinheit erkannt hat, hat er nicht nachgelassen. Diese Kombination aus Ruhe, Klarheit und Konsequenz hat ihm großen Respekt eingebracht und nachhaltige Ergebnisse ermöglicht.
Diese Haltung – Menschen zusammenzuführen, lösungsorientiert zu denken und gleichzeitig konsequent für das Richtige einzustehen – hat mich persönlich stark geprägt und begleitet mich bis heute in meinem eigenen Führungsverständnis.
Herzlichen Dank für die spannenden Einblicke!
