5 Fragen an Bernd Grega, Geschäftsführer der XAL Österreich GmbH

von Matthias Dietrich in , , — März 2026
Unsicherheit ist zur neuen Konstante geworden. Geopolitische Spannungen, volatile Märkte sowie steigender Kosten- und Effizienzdruck fordern Unternehmen zunehmend heraus.

Im Gespräch mit Bernd Grega geht es darum, wie Organisationen strategisch handlungsfähig bleiben, warum Qualität und Teamstruktur entscheidend sind – und welche Haltung Führung heute erfordert.

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Bernd Grega, Geschäftsführer der XAL Österreich GmbH

1. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen und Ihre Branche?

Wir befinden uns aktuell in einer Phase geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit, in der langfristige Planung nur eingeschränkt möglich ist. Umso entscheidender ist es, über eine resiliente Organisationsstruktur zu verfügen, die auch unter volatilen Rahmenbedingungen handlungsfähig bleibt.

Gleichzeitig verändert sich unser Markt grundlegend: Licht ist längst kein isoliertes Produkt mehr, sondern integraler Bestandteil ganzheitlicher Raum- und Gebäudekonzepte. Diese Entwicklung geht mit einer steigenden Projektkomplexität und deutlich längeren Entscheidungszyklen im Bau- und Immobiliensektor einher.

Wir sehen aktuell eine hohe Anzahl an Planungsanfragen, jedoch eine deutlich verzögerte bzw. unsichere Umsetzung. Der Markt wächst nicht mehr im gewohnten Ausmaß, insbesondere im Bürosegment – etwa in Wien – sind rückläufige Entwicklungen bei Neuprojekten klar erkennbar. Die Nachfrage nach neuen Flächen sinkt, während Kosten und Preisdruck steigen. Dadurch verschärft sich der Wettbewerb um die verbleibenden Projekte erheblich.

Trotz dieses herausfordernden Marktumfelds konnten wir in den letzten Jahren kontinuierlich Wachstum erzielen. Das bestätigt, dass eine klare strategische Ausrichtung, starke Markenpositionierung und hohe Servicequalität entscheidende Erfolgsfaktoren sind – gerade in einem rückläufigen Markt.

Eine zentrale Herausforderung sehe ich zudem in der Sicherstellung von Qualität. Wenn Wertschöpfung aus Österreich bzw. Europa abwandert und Know-how ausgelagert wird, besteht die Gefahr sinkender Standards im Markt.

Genau deshalb ist es aus meiner Sicht essenziell, Kompetenzen im eigenen Unternehmen zu halten und gezielt weiterzuentwickeln.

Lokale Ressourcen und Inhouse-Expertise sind ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Qualität – sowohl im Produkt als auch in der Beratung – bleibt für mich der entscheidende Differenzierungsfaktor. Wer hier nachlässt, verliert unmittelbar an Profil. Gerade in einem Umfeld mit steigendem Preisdruck entscheidet letztlich die Fähigkeit, Standards nicht nur zu halten, sondern aktiv zu setzen.

2. Wo eröffnen sich durch Digitalisierung und neue Entwicklungen aktuell die größten Chancen in Ihrer Branche?

Aktuell sehe ich zwei zentrale Entwicklungslinien:

Erstens, die zunehmende Digitalisierung von Gebäuden. Licht wird dabei zum Träger von Daten und damit zu einem wesentlichen Bestandteil intelligenter Gebäudesteuerung. Moderne Leuchten können heute weit mehr als nur beleuchten – sie erfassen beispielsweise Präsenz, Helligkeit, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO₂-Werte oder auch akustische Parameter.

Diese Daten werden in das Gebäudemanagement integriert und ermöglichen eine deutlich effizientere Nutzung von Flächen und Ressourcen. Die zentrale Frage lautet: Müssen nicht genutzte Bereiche tatsächlich beheizt, gekühlt oder belüftet werden? Durch diese Transparenz lassen sich Betriebskosten signifikant reduzieren und gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele erreichen.

Zweitens, gewinnt das Thema „Human Centric Lighting“ zunehmend an Bedeutung. In der Vergangenheit lag der Fokus stark auf Effizienz – also maximaler Lichtleistung bei minimalem Energieeinsatz. Dabei wurde teilweise vernachlässigt, dass wir Räume primär für Menschen gestalten.

Licht hat einen direkten Einfluss auf unseren Biorhythmus, insbesondere auf die Steuerung von Melatonin und Cortisol. Mit modernen Vollspektrum-LEDs sind wir heute in der Lage, die Qualität von natürlichem Tageslicht sehr präzise zu imitieren und so das Wohlbefinden sowie die Leistungsfähigkeit von Menschen nachhaltig zu verbessern.

Unternehmen, die diese beiden Themen – Digitalisierung und Lichtgesundheit – frühzeitig und konsequent verbinden, schaffen nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch einen echten Mehrwert für Nutzer und positionieren sich klar als Innovationsführer.

3. Auf welche Skills und welches Mindset legen Sie bei Ihren Mitarbeitenden besonderen Wert?

Der nachhaltige Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens liegt in den Menschen. Fachliche Qualifikation ist eine Grundvoraussetzung – entscheidend sind jedoch zunehmend soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit.

Aus meiner Sicht basieren viele erfolgreiche Einstellungen weniger auf dem Lebenslauf als auf Persönlichkeit, Haltung und Teamfit. Wir suchen Menschen, die flexibel agieren, lösungsorientiert denken und bereit sind, bestehende Muster zu hinterfragen. Gerade in einem dynamischen Umfeld braucht es Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen, Veränderungen aktiv mitgestalten und bereit sind, kontinuierlich zu lernen.

4. Wie gehen Sie mit Rückschlägen um und wie gelingt es Ihnen, neue Energie zu schöpfen?

Rückschläge sind ein fixer Bestandteil unternehmerischen Handelns. Entscheidend ist der Umgang damit.

Für mich steht zunächst eine sachliche und strukturierte Analyse im Vordergrund: 
Was sind die Ursachen? Was können wir konkret verbessern? Diese Reflexion erfolgt sowohl individuell als auch im Austausch mit dem Führungsteam.

Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Lernen und Weiterentwicklung.

Jeder Rückschlag bietet die Chance, Prozesse zu verbessern und zukünftige Entscheidungen fundierter zu treffen.

Gleichzeitig ist es wichtig, rasch wieder in die Umsetzung zu kommen. Stillstand kostet mehr Energie als Bewegung.

Neue Energie schöpfe ich vor allem durch zwei Dinge: 
Sport – insbesondere Radfahren und Golf – sowie den Austausch mit meinem Team und meinem privaten Umfeld. Beide Faktoren helfen mir, Perspektiven zu wechseln und Klarheit zu gewinnen.

Resilienz entsteht aus meiner Sicht durch Klarheit, Struktur und konsequentes Handeln.

5. Haben Sie ein Vorbild? Wer inspiriert Sie?

Ein unternehmerisches Vorbild ist für mich Jensen Huang. Besonders beeindruckt mich seine Fähigkeit, technologische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und daraus konsequent eine klare, langfristige Strategie abzuleiten.

Er steht für ein Führungsverständnis, das stark von Weitblick, Klarheit und Umsetzungsstärke geprägt ist. Entscheidungen werden nicht kurzfristig optimiert, sondern entlang einer übergeordneten Vision getroffen – auch dann, wenn der unmittelbare Erfolg noch nicht sichtbar ist.

Diese Haltung ist aus meiner Sicht zentral für moderne Führung: Entwicklungen antizipieren, gezielt in Zukunftsthemen investieren und Organisationen so aufstellen, dass sie auch in einem dynamischen Umfeld nachhaltig erfolgreich bleiben.

Ein Grundsatz begleitet mich dabei besonders:

Der Erfolg von gestern ist oft die größte Gefahr für morgen.

Herzlichen Dank für diese spannenden Einblicke!

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Matthias Dietrich

Executive Director