5 Fragen an Christoph Lindenhofer, Vertriebsleiter Österreich und Managing Director Italia bei PREFA Aluminiumprodukte GmbH

von Katarina Petrovic in , , — September 2026
Die Bauzulieferindustrie befindet sich im Wandel: Fachkräftemangel, Digitalisierung und wirtschaftliche Unsicherheiten bringen viele Herausforderungen mit sich, eröffnen aber gleichzeitig neue Chancen. Welche Rolle spielen Künstliche Intelligenz und digitale Technologien? Warum werden persönliche Kundenbeziehungen in einer zunehmend digitalen Welt immer wichtiger? Und welche Eigenschaften brauchen Führungskräfte und Mitarbeitende, um erfolgreich durch Veränderungsprozesse zu navigieren?

Darüber spricht Christoph Lindenhofer, Vertriebsleiter Österreich und Managing Director Italia bei PREFA Aluminiumprodukte GmbH, im Interview mit Katarina Petrovic, Consultant Industrial & Construction bei Talentor Austria.
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Christoph Lindenhofer, Vertriebsleiter Österreich und Managing Director Italia bei PREFA Aluminiumprodukte GmbH

1. Wo sehen Sie aktuelle Herausforderungen in der Bauzulieferindustrie?

Die vergangenen Jahre waren für die Bauzulieferindustrie sicherlich herausfordernd, nicht nur in Österreich. Zu Jahresbeginn erwartete man aufgrund der Genehmigungszahlen für Neubauten ein leichtes Aufatmen, ob sich dies in Anbetracht der zwischenzeitlich stattgefundenen geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Gerade in Österreich zeigen sich jedoch deutliche Sektorenunterschiede: besonders betroffen ist der Neubau, während die Sanierung bislang weitgehend stabil geblieben ist.

Gleichzeitig beobachten wir, dass die Marktzyklen immer kürzer werden.

Langfristige, lineare Planung über mehrere Jahre hinweg ist kaum noch möglich. Stattdessen braucht es heutzutage die Bereitschaft, flexibel zu handeln und bei Bedarf zu pivotieren.

Das ist aus meiner Sicht die größte Herausforderung, aber gleichzeitig auch eine Chance.

Eine weitere Herausforderung ist der Fachkräftemangel, insbesondere im Handwerk und im bauindustriellen Umfeld. Dabei sind gerade diese Berufe für unsere Gesellschaft sehr wertvoll und werden auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Aus diesem Grund investiert PREFA in Aus- und Weiterbildungsprogramme: die PREFA Academy bietet Fachkräften europaweit praxisorientierte Weiterbildungen zu Dach-, Fassaden- und Solarsystemen.

So wollen wir wieder mehr Menschen für das Dachhandwerk begeistern.

Aber eines steht für mich fest: Die Herausforderungen sind da und wir müssen sie adressieren. Gleichzeitig nehme ich wahr, dass die Stimmung vielerorts derzeit eher verhalten ist. Umso wichtiger ist es, Zuversicht auszustrahlen und mit Einsatzbereitschaft nach vorne zu blicken. Das beginnt bei jedem Einzelnen und setzt sich in den Unternehmen fort.

2. Welche Chancen eröffnen die Digitalisierung und die KI langfristig für die Bauzulieferindustrie?

Digitalisierung und der Einsatz von KI sind derzeit zentrale Themen und ich denke, wir befinden uns gerade in einer der größten Revolutionen unserer Zeit. Während sich die ersten Use Cases bereits herauskristallisieren und wir alle im Alltag merken, wo uns künstliche Intelligenz sinnvoll unterstützen kann, bleibt noch abzuwarten, welche konkreten Geschäftsmodelle entstehen werden und wo tatsächliche Mehrwerte geschaffen werden können.

KI unterstützt uns bei PREFA derzeit beispielsweise dabei, die Customer Journey noch zielgenauer zu designen und angrenzende Prozesse effizienter zu gestalten. Wichtig ist dabei, die Mitarbeitenden mitzunehmen und ihnen zu zeigen, wie nützlich diese Entwicklung sein kann:

Denn wenn bestimmte Aufgaben automatisiert werden und KI uns Workflows abnimmt, bleibt uns mehr Zeit für den persönlichen Kontakt.

Der menschliche Aspekt und persönliche Beziehungen bleiben nämlich unersetzlich und eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist immer auch eine Vertrauensfrage. So kann Digitalisierung künftig nicht nur Prozesse effizienter machen, sondern auch den Raum schaffen, um Kundenbedürfnisse noch besser zu verstehen und langfristige Partnerschaften gezielt weiterzuentwickeln – und das ist eine große Chance.

3. Welche Rolle spielen Innovationen und Serviceleistungen in Ihrer Unternehmensstrategie?

Natürlich sind Innovationen ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensentwicklung. Unser Anspruch ist es, unser Produktsortiment jedes Jahr intelligent weiterzuentwickeln, sei es durch neue Oberflächen, neue Formate oder innovative Lösungen für unterschiedliche Anwendungsbereiche.

Im Bereich Photovoltaik haben wir bereits vor einigen Jahren mit unserer Solardachplatte einen wichtigen Schritt gesetzt. Danach sind laufend weitere Lösungen hinzugekommen, etwa das Solarmodul PREFALZ. Gleichzeitig entwickeln sich die Technologien ständig weiter, von neuen Modul- und Zellgenerationen bis hin zu Full-Black-Lösungen. Hier arbeiten wir kontinuierlich daran, unseren Kunden moderne und praxisnahe Lösungen anzubieten.

Dabei geht es uns aber nicht nur um den PV-Bereich. Auch in unserem klassischen Dach- und Fassadenumfeld arbeiten wir laufend an neuen Farben, Formaten und Produktoptimierungen.

Wir entwickeln Innovationen jedoch nicht um ihrer selbst willen, sondern hören genau hin, wo der Markt Bedarf sieht, wo unsere Kunden einen Mehrwert erkennen und wo es noch Potenzial gibt.

Mindestens genauso wichtig wie neue Produkte sind für mich unsere Services. Wir haben vorhin über den Fachkräftemangel gesprochen, und gerade deshalb sehen wir uns als Sparringspartner unserer Kunden. Unser Ziel ist es, sie vom ersten Angebot bis zur Realisierung eines Projekts bestmöglich zu unterstützen. Das reicht von der Visualisierung eines Projekts für Endkundinnen und Endkunden bis hin zur technischen Ausarbeitung.

Wir investieren nicht nur in neue Produkte, sondern auch in den Ausbau unserer umfangreichen Services. Unser Ziel ist es, Kunden dort bestmöglich zu unterstützen und ihnen Arbeit abzunehmen, wo es echten Mehrwert schafft.

4. Auf welche Skills und welches Mindset legen Sie bei Ihren Mitarbeitenden besonderen Wert?

Dazu hole ich ein wenig aus: Ich komme ursprünglich aus dem Leistungssport, und deshalb spielen für mich Themen wie Einsatzbereitschaft, Eigenverantwortung und die richtige Einstellung eine besonders wichtige Rolle. Das ist aber nicht nur meine persönliche Sichtweise, sondern etwas, das wir bei PREFA leben.

Wichtig ist für uns kritisches Denken; gleichzeitig aber auch die Fähigkeit, Chancen zu erkennen und mit einer positiven Grundhaltung an Herausforderungen heranzugehen. Probleme darf und soll man ansprechen, aber idealerweise mit dem Ziel, auch Lösungen voranzutreiben.

Wer sich bei PREFA weiterentwickeln möchte, bekommt die Chance dazu. Dabei ist uns und auch mir persönlich Proaktivität besonders wichtig. Wenn jemand Potenzial sieht, Verantwortung übernehmen möchte und Dinge aktiv anpackt, dann unterstützen wir das sehr gerne. Man muss Chancen nur erkennen und zugreifen, wenn sie sich bieten.

Und ganz wichtig ist für mich auch die Freude an der Sache. Man sollte Spaß daran haben, mit Kundinnen und Kunden zusammenzuarbeiten, Interesse am Handwerk mitbringen und gerne gestalten wollen. Technisches Verständnis ist natürlich auch hilfreich.

Entscheidend sind Neugier, die Bereitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln, und der Wille, Dinge aktiv voranzutreiben.

Das macht am Ende den Unterschied.

5. Welche persönlichen Learnings als Führungskraft würden Sie anderen mitgeben und wer inspiriert Sie?

Die wichtigsten Learnings aus meinen insgesamt sieben Jahren Führungsverantwortung, davon drei Jahre bei PREFA, lassen sich auf vier zentrale Punkte reduzieren:

  1. Werte und Grundsätze: Man muss sich zu Beginn sehr bewusst damit auseinandersetzen, wofür man als Führungskraft stehen möchte. Welche Ziele wollen wir als Team erreichen? Und wie leisten wir damit einen Beitrag zur Unternehmensvision? Diese Klarheit muss man anschließend auch offen und transparent mit dem Team kommunizieren.
  2. Motivation und der Wille: Ich sehe, dass die Menschen gerne arbeiten und  Verantwortung übernehmen wollen. Heute wird aber stärker nach dem Sinn gefragt: Was ist mein Beitrag? Welchen Einfluss habe ich auf die Ziele? Und wie kann ich mitgestalten?
  3. Orientierung: Es ist entscheidend, Erwartungen klar zu formulieren und zu zeigen, welchen Beitrag jeder und jede Einzelne zum großen Ganzen leisten kann. Wenn das gelingt und man echtes Interesse an den Menschen zeigt, ist man als Führungskraft bereits auf einem sehr guten Weg.
  4. Man muss Menschen mögen: Das ist vielleicht der wichtigste Punkt, denn Führung bedeutet am Ende, mit Menschen zu arbeiten, sie zu unterstützen, weiterzuentwickeln und gemeinsam Erfolge zu erzielen. Wer Freude daran hat und echtes Interesse an seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitbringt, schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Inspiration ziehe ich vor allem aus Menschen, die mit Eigenantrieb, Fleiß und Leidenschaft etwas aufbauen. Besonders beeindruckt mich der Mut, Chancen zu ergreifen, Verantwortung zu übernehmen und einer klaren Vision zu folgen, auch wenn damit Unsicherheiten verbunden sind.

Positivität ist dabei ein Wert, der mir besonders wichtig ist. Das bedeutet nicht, Herausforderungen zu ignorieren oder Schwierigkeiten schönzureden. Im Gegenteil: Probleme müssen angesprochen und gelöst werden. Aber ich bin überzeugt, dass es einen Unterschied macht, ob man den Fokus auf die Hindernisse oder auf die Chancen legt, die sich daraus ergeben.

Wer Herausforderungen mit einer positiven Grundhaltung begegnet, kommt oft leichter voran.

Dieses Mindset kann viel bewirken – für die Zusammenarbeit, die persönliche Entwicklung und letztlich auch für den gemeinsamen Erfolg.

Herzlichen Dank für diese spannenden Einblicke!

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Katarina Petrovic vor einem Laptop mit Brille in der Hand
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Katarina Petrovic

Consultant