KI und Führung im Marketing - 5 Fragen an Cordula Cerha

Cordula Cerha, Managing Partner von cmc-consultants und Senior Lecturer an der WU Wien
„Unternehmen stehen vor der Herausforderung, den Einsatz von Mensch und Technologie optimal zu integrieren.“
1. Wie verändert künstliche Intelligenz die Führungsaufgaben im Marketing?
Der rasante Fortschritt im Bereich der künstlichen Intelligenz eröffnet vielfältige neue Perspektiven für das Marketing. Vor allem bei der Datenanalyse und -interpretation und der Automatisierung von Prozessen können durch KI Zeit und Kosten eingespart werden. Aufgabe der Führungskräfte ist es sicherzustellen, dass Unternehmen von diesen Effizienzgewinnen auch nachhaltig profitieren. Um relevante Wettbewerbsvorteile herauszuarbeiten, wird es künftig noch weniger ausreichen, das operative Geschäft zu optimieren. Unternehmen müssen sich visionär weiterentwickeln. Bei Strategie und Innovation zählen menschliche Erfahrung und Intuition nach wie vor.
2. Welche Kompetenzen werden Führungskräfte im Marketing in der Zukunft brauchen?
Gute Führung im Marketing zeichnen strategische Orientierung und hohe Datenkompetenz sowie Kommunikationstalent und Empathie aus. Dieser Mix wird durch die Verfügbarkeit von künstlicher Intelligenz nicht verändert.
3. Welche neuen Aufgaben entstehen durch den Einsatz von KI im Marketing?
Oft wird diskutiert, welche Aufgaben durch KI wegfallen, zu selten, welche hinzukommen. Die Themen Urteilsvermögen und Kuratierung werden jedenfalls wichtiger werden. Generative KI wird in kurzer Zeit eine Fülle von Vorschlägen erzeugen. Daraus den besten auszuwählen, wird eine Schlüsselkompetenz werden. Das betrifft letztlich auch den Einsatz von KI-Modellen und Tools. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz der Anbieter wird es immer herausfordernder werden, das passende Werkzeug für den jeweiligen Einsatzbereich zu wählen.
4. Welche Aufgabenteilung wird es in Zukunft zwischen Technologie und Mensch im Marketing geben?
Um einen betriebswirtschaftlichen Erfolg zu gewährleisten, muss Technologie mit einem quantifizierbaren Nutzen verbunden sein. Dieser kann auf Seiten des Kunden liegen und entweder einen Effizienzvorteil oder eine Verbesserung der Customer Experience mit sich bringen. Oder der Nutzen entsteht auf der Seite des Anbieters. Auch hier sind Effizienzvorteile und eine Verbesserung der Experience, in diesem Fall für die Mitarbeitenden, naheliegend. In vielen Bereichen kann künstliche Intelligenz Menschen unterstützen. Die Frage sollte aber weniger sein, was man an KI delegieren kann, sondern eher wie man mit ihr effektiver und produktiver arbeiten kann. Dass die Zusammenarbeit von KI und Mensch erfolgreicher ist als Mensch oder KI alleine, erscheint mir logisch ableitbar.
Auch das ethische Verantwortungsbewusstsein wird an Bedeutung gewinnen. Führungskräfte müssen in der Lage sein, das eigene Handeln im Hinblick auf die Automatisierung und Datennutzung kritisch zu reflektieren.
5. Was können Führungskräfte tun, um Mitarbeitende bei der Transformation durch KI zu begleiten?
Führungskräfte sind vor allem als Treiber der Transformation gefragt, sollten Lernprozesse fördern und neue Rollenbilder etablieren. Sie müssen aber auch Ängste adressieren und ihre Teams im Veränderungsprozess begleiten.
Herzlichen Dank für diese spannenden Einblicke!
